Verfasst von: sanddancer | November 3, 2006

Rap around

Musikgeschmack, Musikszene ist ja eine sehr heikle Sache. Es ist für viele junge Menschen ein Identitätsmöglichkeit. Man versucht sich einzumauern und geg. anderen Musikstilen abzugrenzen.

Ich, als alternativer Mensch, wollte mir selbst ein Bild machen. Es gibt genügend Vorurteile egal woher sie kommen wohin sie gehen. Ich wollte wissen ob das Klischee eines Longshirt- tragenden, Hosenrutscherassi Wirklichkeit ist. Daher schleuste ich mich in die deutsche HipHop-Szene ein. Ort des Geschehens war ein Konzert eines Bekannten von mir, der unbekannte und bekannte alternative (gute!) Musiker nach Karlsruhe bringt. Mit Kapuzenpulli zog ich somit mit einem Kameraden zum Auftritt des Rappers Olli Banjo, der sich in den letzten Jahren zu einer Größe in der HipHop Szene entwickelt hat. Sein Markenzeichen sind innovative, direkte Rapmusik und schwarzer Humor. Mit dabei war die Berliner Rapperin Lisi, eine feministisch rappende Person. Subkultur meets Assikultur so dachte ich.

Schon aber, als wir an dem kleineren Cafe ankamen, bot sich mir ein Eindruck der an mir haften blieb. Ein kleine Gruppe hatte sich am Eingang versammelt und zwei Jungen (alles andere als Gangster) dizzten sich zur Musik eines nebenstehenden Ghettoblasters. Ich weiß dass man viel Bullshit labbern kann, aber was ich hörte, hatte ich so noch nicht gehört. Die Fantasie der Jungen ist wohl unendlich. Nun ja ob es einem gefällt ist ne andere Sache, lustig wars aber.

Das Cafe an sich war gut gefüllt und fast keine Assis in Sicht. Es herrschte eine wohl gute Stimmung und eine gewisse Spannung lag in der Luft. Zuerst betrat Lisi die Bühne, die am Anfang vllt. ein wenig Anlaufschwierigkeiten hatte, die Menge aber dann doch zum Abgehen brachte. Was mir auffiel, die Nähe und Zusammengehörigkeit zwischen Zuschauer und Künstler ist ziemlich groß. So entspannte sich die Lage. Bis auf eine Couch mit ein paar Assis und Schönlingen, die ich nicht unbedingt kennen lernen wollte, fühlte ich mich sozusagen nicht unwohl.

Als schließlich Olli Banjo die Bühne trat ging es richtig ab. Banjo ist ein Künstler der die Zuschauer in seinen Bann ziehen kann. Sie immer wieder miteinbezieht und in Szene setzt. Gut bei mir hat das nicht wirklich geklappt, aber bei vielen konnte man die Begeisterung aus den Augen ablesen. Und Banjo ging ab, er zeigte wie er rappen konnte und seine moralische Botschaft kam an; Musik die v.a. auch gesellschaftliches Spießertum und politische Stagnation ansprechen. “Denn wir hassen die Pest, so wie Haider, so wie Stoiber, sogar Politiker beleidigen Gäste. Ääähm, stotter‘, rede zu schnell, Rededuell, er hat ’n Kilogramm an Kreide gefressen. Leute, wir bleiben im Westen, warum in den losten Osten, wenn das Übel in München hockt? Wer lyncht den Mob, Politik sucht immer den Sündenbock, kündigt Deinen Job.Deutschland, blond und blaue Augen, haust Deine Kinder, Claudia Schiffer, Boris Becker, blasse Aushängeschilder, ist das hier:“

Sozusagen einen Fick auf Gangster, einen Fick auf Bullen, einen Fick auf alle Regeln, einen Fick auf Rassismus. Nach meiner Ansicht nur etwas zu gewalttätig, aber das ist wohl Ironie und muss im Gesamtzusammenhang gesehen werden. Dazu was eh nicht zu vermeiden war, aber auf einem Rapkonzert wohl Pflicht ist, ist viel Gepose und große Töne. Bei den letzten Songs sagte Olli Banjo noch etwas was mich überraschte, nämlich „wer alles Punkmusik hört und wer auf Rockkonzerte geht …“

Was danach folgte war ein guter Pogopit und Banjo voll dabei. Später erfuhr ich dann, dass Banjo selbst Gitarre spielt, öfters Rock, HC, Punk, Mars Volta hört und eine Rockplatte aufnehmen will. Na dann viel Erfolg.

Im Endeffekt kann ich sagen, der Abend hat sich nicht nicht gelohnt. HipHop ist nicht unbedingt meine Musik, es fehlt an Melodie, aber ein paar Songs haben mir auch gefallen. Die Künstler machten Musik deren Texte nicht nach neuer deutscher Rapmode total schrottig sind, sondern mit ein wenig Hirn geschrieben wurden. Das macht die Sache einfacher. Ich hatte jedenfalls an dem Abend kein Verlangen mit Flaschen auf die Bühne zu werfen.

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Responses

  1. aha..soso…


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