Verfasst von: sanddancer | April 24, 2007

eine Zeitzeugin und ein Denkmal

Ich möchte an den vorangegangen Post über Lidice anknüpfen. Auf der Pragreise mit anderen Zivildienstleistenden hatten wir die Möglichkeit mit der Zeitzeugin Marta Peskova zu sprechen. Sie erlebte, als Bewohnerin Lidices, das Verbrechen der Nazis an eigenem Leibe.

Fr. Peskova war damals 19 Jahre alt, als das Verbrechen passierte. Viele Gespräche hat sie seitdem geführt, wir hatten das Glück eines mit ihr zu erleben. Sie ist eine aufgeweckte, alte Frau mit kräfigen Händedruck und macht keinesfalls den Eindruck von Senilität.
Mit einer beachtlichten Ruhe und Geduld erzählte sie vom Schicksal ihres Dorfes. „Aus dem Haus mussten wir; Das Geld sollten wir mitnehmen sonst alles stehen lassen. Wir hatten keine Ahnung was passieren würde, aber manche ahnten schon das was schlimmes bevorstand.“ Das Dorf Lidice wurde 1942 von der Gestapo umstellt, die Männer wurden v. den Frauen getrennt. Nach der Trennung v. den Männern, von deren Tod sie erst viel später erfuhren, wurden die Frauen mit ihren Kindernn in eine Turnhalle gebracht. „Das Schlimmste war nicht, die Trennung v. den Männern, man dachte, irgendwie wird es auch ohne sie schon weitergehen;….aber als sie uns von den Kindern trennten, spielten sich schreckliche Szenen ab. Es ist das schlimmste für eine Mutter, wenn ihr die Kinder weggenommen werden.“ Die Frauen wurden zum Arbeiten ins KZ verfrachtet, das Schicksal ihrer Kinder blieb ihnen verborgen. „Ein Offizier sagte uns, den Kindern wird nichts passieren, sie werden lediglich in ein Heim gebracht in denen man ihnen zu Essen gibt.“ Stattdessen wurden die Kinder in eine andere Halle gebracht, in der sie 2 Wochen ohne Versorgung leben mussten. Einige wurden v. den Deutschen zur Germanisierung ausgesondert, der Rest später ermordet. Aus diesen Tagen sind Briefe der Kinder erhalten. „Was gibt es schlimmeres, als Kinder ohne Hilfe, ohne Versorgung alleine zu lassen und dann umzubringen?“
Die Frauen des Dorfes kämpften sich durch das KZ. Lebten nur von Wasser, Suppe und Brot. „Nicht alle überlebten das Lager. Die eine hatte Diabetes und eine alte Dame starb später. Sie verstand gar nicht was vor sich ging. Wir schliefen zu dritt in einem Bett…..Das einzige was man in so einer Situation tun konnte, ist von Tag zu Tag zu leben. Man denkt nicht mehr, man will einfach nur noch überleben…Am Sonntag hatten wir ein paar Stunden frei, die wir mit Erinnerungen an unsere Heimat nutzten. So war die Literatur und Poesie eine gewisse Freiheit für uns. Viele kannten tschechische Gedichte, die wir aufsagten.“ Als die Frauen endlich befreit wurden, kehrten sie in ihre Heimat zurück. „Viele konnten kein tschechisch mehr, im KZ wurde nur deutsch gesprochen. In Polen wurden wir als Deutsche angesehen und vertrieben. So machten wir uns auf den Weg in unsere Heimat.“ Nach endlosen Strapazen erreichten sie ihr Ziel.

Die Gedenkstätte besteht aus einem Museum, Gedenkmahl, Grabstätten und einem Pfad. Jeder der die Gelegenheit sollte es mal besuchen.

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