Verfasst von: sanddancer | April 30, 2007

adios Zivi

Heute wurde ich entlassen. Entlassen aus meinem Gesellschaftsdienst, den man auch Zivildienst oder Wehrersatzdienst nennt.
Einerseits finde ich es traurig, andererseits bin ich doch froh. Zivildienst ist eine Arbeit die man am Anfang belächelt und eigtl. nicht tun will, während des Dienstes seine Position dann doch irgendwie toll findet, um sie am Ende gerne wieder abzugeben oder weiterzugeben.
Viele Zivildienstleistende die ich kennen gelernt habe, sind jedenfalls froh ihre Arbeit los zu sein. Schade eigentlich, wenn man bedenkt welchen Nutzen er hat. Doch es sind eben diese Probleme und Vorurteile vorhanden, die nicht jede Zivistelle attraktiv machen und ihren Sinn untergraben. Arbeitsgeber die sich mit den Zivigesetzen nicht auskennen, Einrichtungen die einen gnadenlos, ohne Kontakt, ausnutzen, die wenigen Möglichkeiten sich zur Wehr zu setzen, Vorgesetzte die einen belächeln als nichtstauglicher Schulabgänger abtun oder neidisch sind, Bezeichnungen als Weicheier, unklare Anweisungen und falsche oder zu hohe Anforderungen, geringe Beachtung und wenig Respekt lassen den Zivildienst bei vielen als negative Erinnerungen erscheinen. Die Motivation wird abgebaut, bevor sie überhaupt da war. Doch die meisten Zivis tragen dies mit einer Bescheidenheit wohl wissend, dass diese Zeit vorbeigeht und man auch v. solchen Erfahrungen etwas lernt.
Aber dennoch kein Wunder, dass wenige den Dienst machen wollen.
Nun, ich habe ihn gerne gemacht und ich wollte ihn machen. Wollte wissen wie das ist, in den Einrichtungen jenseits der schönen Aussenwelt. Oder wie das Leben kranker, älterer Menschen aussieht; was andere Generationen erlebt haben. Verdammt nochmal einfach mehr davon erfahren, was auch Realität genannt wird.
Dabei war es auch für mich in meiner Tätigkeit als Krankenpflegeaushilfe auf einer inneren und Krebsstation nicht immer ganz einfach. Aber ich hatte Glück mit tollen Menschen zusammen zu arbeiten und gut aufgenommen zu werden. Was ich im Zivildienst gelernt habe sei es der Umgang und Kontakt mit Menschen, sei es an Arbeits- und Lebenserfahrung oder sei esd ie langsame Meisterung verschiedener Situationen und Problemen kann mir kein Studium geben. Man macht doch, freiwillig oder unfreiwillig eine Änderung mit sich und man sieht einiges mit anderen Augen. Das sollte das Ziel und der Sinn des Zivildienstes sein.

Zivildienst ist etwas einmaliges im Leben und eine Frage wie lange es ihn noch gibt. Er ist nicht nur eine Stütze des Sozialsystems, ein Privilieg für private Einrichtungen oder ein Verlust für den Staat, sondern auch eine Möglichkeit zu Weiterentwicklung. Die Ableistenden sind junge Männer meist ohne soziale Erfahrung. Die einen wollen die Chance diesen Dienst zu absolvieren wahrnehmen, die anderen als Last absitzen.
Mir jedenfalls hat es Spaß gemacht und daher werde ich ein wenig weiter für meine Arbeitsstelle arbeiten. Ich habe viele Menschen kennen gelernt, viel erlebt, Freunde gefunden und man ist doch irgendwie eine Einheit. Ich wünsche mir, dass es irgendwann mal, wenn es keinen Wehrdienst mehr gibt, einen Sozialdienst für alle geben soll; der Gesellschaft würde das gut tun.

So jetzt bin ich zwei Tage arbeitslos.

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Responses

  1. viel spaß ohne den zivildienst

  2. hei, ich kriege kein kostenloses Essen mehr, dass ist etwas ärgerlich…
    Aber sonst, werde ich haben!
    Danke, dir auch.

  3. Hallo lieber Daniel!
    Ach ist das schön,so etwas von Dir zu lesen *g*


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