Verfasst von: sanddancer | Juli 25, 2007

Brecht in Sezuan

Brecht war in seinem Schaffen ein Weltverbesserer, unendlich anklagend und kritisch hinterfragend. Das ist es auch, was an ihm geschätzt wird; sein Engagement sich mit (und darüber hinaus) gesellschaftlichen Missständen zu beschäftigen. Wie einst ein junger Schiller benutzte er dabei das Theater als moralische Erziehungsanstalt, mit seiner marxistischen Ethik als Basis, und glaubte vor allem damit die Welt verändern zu können. Doch wie er selbst in seinem Stück „Der gute Mensch v. Sezuan“ zeigt, ist das nicht so einfach. Ich muss da an eine Zeile von der Rapgruppe Fantastischen Vier denken, „..für ein Leben voller Schall und Rauch“. So mag es auch mit den gesellschaftlichen Verhältnissen aussehen. Sie vergehen und ändern sich wie Rauch, der Rauch einer Zeit, eines Zeitgeistes, von dem wir abhängig sind. Wer sagt es uns, ob wir dann diesem Leben gewachsen sind oder ob wir scheitern, wie wir zurechtkommen können? Vielleicht die Kunst in Form des Theaters.

Brecht setzt am Menschen an. Aber nicht kongret an ihm selbst, sondern vor allem an seiner Umgebung. Je nach verschiedenen Umgebungen und Verhältnissen kann auch der beste Mensch verwelken, kann auch der klügste Mensch ihr verfallen oder der Massenmensch seine Umgebung nicht mehr wahrnehmen. Der eigene Mensch kommt gar nicht dazu, seine Umgebung zu realisieren, zu deuten oder zu krititsieren, da eben diese ihm das „klick“ oder die Fähigkeit dazu raubt. Ohne Gegenwehr sogar ohne Realisierung werden wir fügig gemacht. Und wenn wir dann ein Problem bemerken und uns ihm ausgesetzt fühlen, zwingt uns die Lebensnotwendigkeit, unfrei zu handeln. Was ist Egoismus, wenn man selbst nichts hat? Wer kann denn da überhaupt noch gut sein?
Die Suche beginnt und die Lösung ist die Suche selbst. Die Suche nach dem „Guten“, was wir doch selbst in der Hand haben können. „Es muß ein Guter da sein, muss, muss, muss! „

Man kann von Brecht denken was man will. Oft wird er als Kommunist verabscheut, gerade weil er Ideale hatte und diese selbst nicht erreichte. Doch das ist ein banaler Vorwurf und typisch menschlich. Seinem Ideal, Gerechtigkeit und „dem Linksein“ ist er treu geblieben, auch wenn er Lenin feierte. Dabei war er nicht blind, er war ein Kritiker und Skeptiker auch dem Kommunismus gegenüber. Die DDR mochte ihn nie. Nebenbei, wer kann das schon heute von sich sagen, ein Ideal zu besitzen, in einer Zeit in der vieles als modischer Trend erscheint?
Wie auch immer Brecht hat nie aufgehört zu versuchen anzuregen und aufzufordern zu helfen, zu tun und zu machen. Wie unerträglich es für uns auch ist, „Der gute Mensch v. Sezuan“ hat recht, es muss, es muss, es muss.

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