Verfasst von: sanddancer | Juli 26, 2007

Italienisches Tagebuch Teil III

Potrait einer kleinen Commune

Campsirago ist ein kleiner Ort in den Bergen Italiens, rausgerissen aus unserer Welt und doch erhebt es sich über ganz Italien. So hat es jedenfalls den Eindruck. Es gibt nicht viel hier, was man jedenfalls von einem Dorf erwarten würde, wie z.B. Bäckerei und Rathaus, Brunnen und Marktplatz oder Verkehr. Stattdessen stehen hier einige schöne Häuser, eingebaut in die Natur, die einzig durch schlecht ausgebaute Straßen und Wanderpfade zu erreichen sind. Um sie herum sind Berge mit Wäldern, vor ihnen liegt die italienische Poebene. Ein wahnsinniger Anblick eröffnet sich vor meinen Augen und es leuchtet mir ein, was das Besondere an diesem Fleck Erde in Europa ist. Eine endlose geheimnisvolle Natur erhebt sich auf der einen Seite (auch wenn wir wissen was dahinter liegt), auf der anderen Seite liegt das moderne Italien und schimmert.

Das Dorf ist eine kleine Siedlung von jungen Familien. Viele Häuser sind gerade mitten im Bau, jeder greift zur Hand, ein junges Paar schleppt gerade Farben. Zwischendrin hat eine Umweltorganisation eine öffentliche Einrichtung eingebaut, für Kinder und Besucher. Das Zentrum bildet eine uralte Villa. Eine Peaceflagge weht im Wind, ein intensiver Lebenswillen ist spürbar. Zusammenleben und enge Bindungen stehen an jeder Haustür, man kennt sich. Es ist nicht schwer mit ihnen in Kontakt zu treten und freundlicherweise werden wir zum Essen eingeladen, „Ciao Gratias“. Aus Besuchern und Einwohner ergibt sich eine nette Gesellschaft. Im italienischen Flair und mit Olivenöl wird lange gegessen und geredet. Die Welt ist groß und so vielzählig sind ihre Themen. Heiterkeit und Gelassenheit macht die Runde. Jeder will daran teilhaben und gießt sich noch ein Glas Wein ein, der hier ausreichend vorhanden ist.
Während wir dasitzen fliegen über unsere Köpfen Schwalben hinweg. Sie sind mir schon früh aufgefallen. Denn sie sind hier zahlreich und haben ihre Nester zwischen den alten und neuen Mauern. Sie sind ewig zwischen Altem und Neuem. Ich bin mir sicher, dass diese unscheuen und wendigen Vögel, dass Wappen dieses Ortes werden. Wenn dieser Ort überhaupt einen Wappen hat oder braucht. Das besondere ist, diese Vögel sind wie Gedanken, die einem schnell in den Kopf kommen. Man ist gezwungen den Vögeln hinterher zuschauen und bleibt an ihnen hängen.
Später, als längst alles aufgegessen ist, aber die Gesellschaft noch lange bleiben wird, denn Zeitnot ist hier nicht vorhanden, leuchtet vor uns ein riesiges Lichtermeer. In der Dunkelheit hat sich die Ebene in ein Spiegelbild der Sterne verwandelt. Irgendwo sitzt wohl das junge Paar eng umschlungen auf einen Stein. Es ist kaum zu fassen, wie die Städte im Mondschein leuchten und doch nur wie eine Reflektion sind. Jeder geht einem Moment in sich selbst und erobert die Welt. Ich denke mir, dieser Ort könnte Italien, könnte die Welt sein, aber sicherlich ist es einer der schönsten Orte der Welt mit einer Begeisterung für Geselligkeit. Ich gerate fast ins Grübeln und auch dieser momentane Idealzustand wird wohl vergehen und auch hier wird die Realität wiederkehren, aber sie will nicht, jedenfalls nicht jetzt. Man bleibt träumend in seinem wunderbaren Gefühl von Freiheit und Frieden.

Wir werden es uns hier gemütlich machen. Campsirago bleibt ein kleines Dorf, irgendwo in den Bergen, ohne Handyempfang, ohne Bäckerei und Dorfbrunnen, aber mit alternativen Lebensstil und einem Sinn von Verständnis, vor den man sich verbeugen müsste. In mir hat sich ein Gedanke bis hin zum Wunsch gefestigt, dorthin zurückkehren zu müssen.

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