Verfasst von: sanddancer | August 23, 2007

Die Bedeutung der Arbeit I

Gesellschaften ändern sich und ebenso in ihren Wandel ändern sich die Betrachtungsweisen, Ansichten und Werte. Diese Veränderungen können positiv sowie negativ sein, aber müssen in ihren Interdepenzen verschiedener Zeitepochen betrachtet werden. So haben sich die Beziehungen und damit auch Vorstellungen von Arbeit in unserer Gesellschaft (westl.) grundlegend verändert. Wandel und Veränderungen müssen erkannt werden und darauf angemessen reagiert werden.

Was ist die „Arbeit“ heute? Ist sie ein sozialer Faktor durch den die Individuen ihre Integration in die Gesellschaft erlangen können oder eine Lebensaufgabe? Zu was ist sie geworden und wie hat sie sich verwandelt?

Der Begriff „Arbeit“ im anthropologischem, kongreten Sinne, d.h. als mit Arbeit noch die Produkterzeugnisse eines Bauerns, Arztes, Musiker oder sonstigen Berufes bezeichnet wurden, ist schon lange verschwunden. Mit der industriellen Revolution erhielt die Bezeichnung „Arbeit“ eine neue Bedeutung, als eine Art Ware, die sich verkaufen lässt und als Bestandteil einer großen Maschinerie, in der sie und dadurch auch die arbeitenden Individuen eingefügt wurden (und werden). Arbeiter und Arbeit wurden ein Teil von gesellschaftlich-wirtschaftlichen Arbeitsprozessen und Produktionsbeziehungen und erhielten ihre spezielle funktionelle Aufgabe.
Diese Art von Arbeit schien dem Arbeiter die Form einer anonymen Nützlichkeit zu vermitteln, unbeabsichtigt durch die Lohnausgabe. Lohn und Rechte eines Arbeiters wurden von der „Arbeit“ in ihrem Produktionsprozess selbst bestimmt. Das Motto lautete: „Egal welche Arbeit, hauptsache du hast deinen Lohn. Es kommt nicht drauf an was, sondern dass du arbeitest.“ Eben als kleiner Teil einer großen Maschine, durch die der Arbeitnehmer seinen Lohn, seine Rechte, seinen Konsum, erst seine Integration erhält; genannt Lohngesellschaft oder Arbeitergesellschaft.
Gegen diese Art Arbeit, als unpersönlicher, würdeloser und langweiliger Vorgang mit dem einzigen Sinn Zugang zum Konsum zu erhalten, haben sich Arbeiter gewehrt. Die „Arbeit“ selbst ist nicht soziale Integration. Stattdessen gewannen die Arbeiter in Gewerkschaften und Vereinigungen ihre Identität und ihren gesellschaftlichen Zusammenhalt, durch die sie Veränderungen in ihrer Arbeit selbst und mehr Würde schaffen konnten. Ein Zusammenhalt als Klasse gegen Unternehmen.

Heutzutage hat sich diese Anschauung verändert. Ebenso wie die Gesellschaft, die nach der postindustriellen Zeit sich zu verschiedensten Formen von multikulturell, medie-, risiko-, erlebnishaft und wissenschaftlich verändert hat. Die Arbeitgesellschaft hat sich durch Dienstleistung, Informationsvernetzung zu einer neuen Form gewandelt; mit weniger Arbeitenden und konstanten Arbeitslosen u. Niedriglöhnern. Die großen Gewerkschaften sind kleiner geworden.
Die ideologische Botschaft hat sich geändert; aus „Egal was du arbeitest, hauptsache Lohn“ wurde „Egal wieviel Lohn du bekommst, hauptsache du hast einen Arbeitsplatz“. Arbeit wird heute als ein besonderes knappes „Gut“ bezeichnet für dessen „Besitz“ man Opfer bringen sollte und man für jedwige Zugeständnisse bereit sein muss. Wer seinen Arbeitsplatz verliert, hat keine Chance mehr in der Gesellschaft, könnte man sagen. Nicht die Arbeit schafft Reichtum, Reichtum schafft Arbeit. Der Staat und der Arbeitgeber sind die Wohltäter, die die Arbeit schaffen, indem sie diese paradoxerweise abbauen. Denn durch Abbau können sie, „Arbeit“ zu einem Privileg machen, für das der Einzelne viel hergeben muss.
Fakt ist Unternehmen brauchen durch technischen Fortschritt immer weniger Arbeit. Doch sie erklären, dass sie große Anstrengungen in ihrer Beschaffung investieren werden; nicht wir haben ein Bedürfniss nach Arbeit, ihr habt es. Der Arbeitende macht sich nicht mehr nützlich, sondern die Gesellschaft indem sie Arbeit schafft. Was für eine Umkehr! Das Problem ergibt sich von selbst. Auf dieses „Privileg“ können demnach beliebige Bedingungen gesetzt werden; ob niedrige Löhne oder schlechte Arbeitsbedingungen.

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