Verfasst von: sanddancer | September 22, 2007

Ausbildung – Bildung

„Gegen die Reduktion der Bildung auf Ausbildung“, das war ein Schlachtruf der 68er, die vieles zur Demokratisierung an Universitäten und Hochschulen beigetragen haben. Sie übten Kritik an der Industrialisierung der Hochschulen und ihren wirtschaftlich orientierten Institutsprinzipien. Die Universitäten sollten nicht die Vermittler eines Studiums sein, das als Privileg zum Machen einer Karriere diente. Im Gegenteil ein eigener Erkenntnisgewinn sollte resultieren, indem man die Aufnahme von fertig bearbeitenden Denkresultate kritisch betrachtete anstatt ohne Verstehen aufzunehmen.

Das Hochschulsystem hat eine Entwicklung durchgemacht, die sie heutzutage wieder zu wirtschaftlichen Strukturen geführt hat. Der sogenannte Erkenntnisgewinn, den vor allem Universitäten bieten, wird durch Studiengebühren zu einem Kostenfaktor. Wer kein Geld hat, der bleibt geistig arm. Im Hintergrund sitzt die Wirtschaft, ohne die wir kein international angepasstes Leistungs- und Unterstützungsystem haben würden. Sie pumpt das Geld in Universitäten und will zweckhaft natürlich danach ihre Produkte sehen.
Ist das so? Es ist eine Hypothese.

Doch wo liegt das Primäre, ein Zweck, der Gewinn eines Studiums?
Ist es der Zweck der Ausbildung, mit dem Ziel einer priviligierten Vorherrschaft am späteren Arbeitsmarkt?
oder
Ist der Zweck die eigene Erkenntnisgewinnung, die Fähigkeit der Urteilsbildung und Entwicklung seines Charakters?

Man kann sich sicherlich leicht vorstellen, dass beides richtig ist. Ein Student studiert um praktisches Wissen sowie Erkenntnis zu gelangen bzw. so wäre es jedenfalls wünschenswert. Ich habe das Gefühl, als ob der zweite Aspekt heutzutage in den Hintergrund gerückt wurde.
Doch dieser zweite Aspekt ist das Primäre; die Erkenntnisgwinnung. Dazu gehört Bildung, denn sie ist etwas was Menschen mit sich machen; man bildet sich. Wir arbeiten daran was zu werden, in einer bestimmten Art und Weise unser Leben zu gestalten und zu leben. Wichtig dazu ist Neugierde und der Wunsch die Welt zu entdecken, zu forschen, zu erkennen, was und warum etwas so und so ist. Lawlita hat es folgendermaßen formuliert; um die „Umwelt in ihren Tiefen verstehen“ zu können. Es ist ein Schritt der eigenen Orientierung in der Welt, indem man sich selbst ergründet und seine Umwelt, mit dem Ziel das Leben verstehen zu können. Diesen Aspekt kann man beliebig weit ausführen: Anthropolgisch durch jede Brille einer wissenschaftlichen Richtung, die unser denken, fühlen, reden und leben beschreibt.

Ergänzend dazu ist die Ausbildung. In der Ausbildung arbeiten wir daran etwas zu können. Ausbildung ist immer an Nutzen orientiert, an das Know-How etwas zu können. Sie zeigt uns unser Werkzeug, lehrt uns Spezialwissen und kann uns bei der Berufssuche weiterhelfen. Jedoch wird sie den Menschen in seinem Charakter und geistigen Entwicklung nie erweitern. Das macht der zweckfreie Wert der Bildung.

In welchem Licht wird nun heute von Bildung gesprochen? Wohl eher vom Studium als Ausbildung, umrahmt von Rankings und Chancen. Doch wir sind keine studentischen Einzelteile, die unseren Zweck in „der Maschine des Wirtschaftsstandortes Deutschland“ haben. Von Bildung wird geredet, Ausbildung wird gemeint.
Genau diesen Unterschied müssen sich Studenten klar machen. Denn ein Studium ist nicht nur Ausbildung, es ist eine Lebensbildung und Lebenswerdung.

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