Verfasst von: sanddancer | März 18, 2008

Hochschulförderung: kritische Spende für Uni Karlsruhe

Die Eliteuniversität Karlsruhe kann sich über eine enorme Finanzspritze freuen. Der Mitbegründer von SAP Hans-Werner Hector spendet der Universität 200 Mio. Euro. Das ist der bisher höchste gespendete Einzelbetrag für eine staatliche Uni. Das Geld soll vor allem die Forschung verbessern, mit dem Ziel (wie immer) die deutschen Hochschulen international wettbewerbsfähiger zu machen: Kongret soll das Geld für die Anwerbung von Spitzenforschern, besseren Arbeitsbedingungen und für Prämierungen von Forschungsprojekten verwendet werden.

Spenden sind schön und gut, doch es ist zu bezweifeln, dass die Tendenz der Privatförderung leistungsfördernd und sinnvoll ist. Es hat natürlich den subjektiven Anschein, doch die Hintergründe geben ein anderes Bild wieder.

Es ist klar, dass die deutschen Universitäten Geld brauchen. Während die Grundmittel sinken wächst die Umwerbung von Drittmitteln bzw. es ist schon fast eine Art Wettlauf. Je mehr dieser zum entscheidenden Erfolgsfaktor wird, desto mehr laufen die Hochschulen Gefahr in monopolartige Stukturen zu verfallen und ihre Unabhängigkeit zu verlieren. Denn die Universitäten werden nicht ohne Gegenleistung gefördert. Der Einfluss von wirtschaftlichen Unternehmen ist nicht zu bestreiten und die Universitäten werden irgendwann ihre Ideologie aufnehmen. Förderung und Universitätsbetrieb werden danach ausgerichtet, dass am Ende ein Profit herauskommt, der für den Markt benutzt werden kann. Die Privilegien erhalten somit v.a. diese Fächer die ihre Kriterien erfüllen. Kritische Fächer der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften bleiben, wie im Moment durch die konservative Bildungspolitik, benachteiligt. Sie entsprechen nicht der Logik der Kapitalakkumulation.

Für mich hat das Verfahren der Forschungsförderung vergleichbare Elemente mit dem Management eines Fußballclubs. Mit Millionenbeträgen wird versucht Spitzenforscher an die Universitäten zu locken. Aber meiner Meinung ist keiner der „Spitzenforscher“, wer auch immer diese Einteilung bewertet, dieses Geld wert. Es hat den Anschein, dass Universitäten zu Stiftungshochschulen umfunktioniert werden, die von reichen Privatunternehmern anstatt von Steuerngeldern gefördert werden und damit ihre Exzellenz und Macht in Form von Reputation (nicht Forschungsleistung!) nach außen zeigen. Der Haken ist, dass die Stifter und Alumnis natürlich genügend Mitspracherecht erhalten (wollen), sei es bei der Auswahl der Studenten oder der Forschungsrichtung. Somit wird eine Elite gebildet, die vor allem von Reichen besetzt wird. Die Hochschullandschaft sieht dann wie eine Fußballliga aus, welche nach subjektiven Kriterien wie ein unfairer Wettkampf nach außen errscheint. Wäre es nicht besser Projekte und universitäre Tätigkeiten zu verbinden?
An anderen Ecken fehlt dann jedenfalls das Geld, die staatlichen Bildungseinrichtungen verfallen. Und irgendwann wird den nicht-geförderten Universitäten gesagt, sie seien nicht mehr wettbewerbs- und konkurrenzfähig.

Die Internationale Universität Bremen bekam vor einem Jahr ebenfalls eine gehörige Privatspende, von der Jacobs-Stiftung. Die Universiät heißt jetzt Jacobs Universität Bremen. Wie lange wird es noch dauern bis wir in der Aldi Universität studieren (einkaufen, leben).

Mit Geld kann man keine Klugheit und kein Wissen erkaufen. Solange dieser Grundsatz nicht beachtet und das Geld leistungshemmend in wenige Großstandorte und Diszipline gepumpt wird, werden die deutschen Hochschulen weder wettbewerbsfähig sein noch sich kreativ entwickeln.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: